🎧 Diese Folge kannst du auch hören. Der Artikel darunter fasst das Wichtigste zusammen und vertieft es.
Was tust du, wenn der Stress zu viel wird?
Das Handy in die Hand nehmen und scrollen. Den Fernseher einschalten. Noch eine Aufgabe erledigen. Etwas essen. Über die Vergangenheit grübeln oder dir Sorgen über die Zukunft machen.
Wir alle haben Wege, mit Stress umzugehen. Man nennt sie Bewältigungsstrategien – oder Kompensation.
Die meisten Ratgeber sortieren diese Strategien in „gut“ und „schlecht“. Ich möchte das heute nicht tun. Stattdessen lade ich dich ein, deine eigenen Muster einfach nur zu erkennen – ohne Urteil.
Denn hier passiert etwas Überraschendes: Genau die Strategien, die dir helfen sollen, halten dich oft von dem fern, was du am meisten brauchst – deinem eigenen Körpergefühl.
Was Kompensation wirklich ist
Wenn wir in einer oder mehreren der vier Stressreaktionen sind, neigen wir zu Kompensationsmustern. Wir versuchen, durch Handlungen unser dysreguliertes Nervensystem vom roten, orangen oder gelben Bereich zurück in den grünen Bereich zu bringen.
Wir versuchen, den Stress zu bewältigen – daher der Begriff Bewältigungsstrategie.
Ein aus dem Gleichgewicht geratenes Nervensystem wieder ins Gleichgewicht zu bringen, ist grundsätzlich sinnvoll. Die Frage ist nur: Welches Mittel wählen wir dafür?
Der wichtige Reframe: kein Vorwurf, sondern ein Schutzversuch
Viele von uns haben gelernt, sich vom Unbehagen eines dysregulierten Körpers zu distanzieren, indem wir uns ablenken.
Und jetzt kommt der entscheidende Punkt: Diese Gewohnheiten sind nicht dein Feind. Sie wurden als deine besten Versuche entwickelt, dein Nervensystem zu regulieren und ein Gefühl von Sicherheit zu schaffen.
Während diese Strategien deine besten Versuche waren, dich sicher zu fühlen, halten sie dich weiterhin von deinem Körper und deinem inneren Kompass getrennt.
Das ist kein Grund für Selbstkritik. Es ist ein Grund für Mitgefühl – und für Neugier. Denn erst wenn du deine Muster ohne Urteil siehst, kannst du überhaupt etwas verändern.
Warum das Erkennen alles verändert
Jetzt, wo du ein besseres Verständnis für deine Nervensystem-Zustände hast, ist der nächste Schritt die Selbstbeobachtung.
Verbring die nächsten Tage – oder Wochen – damit, dich selbst zu beobachten und deine Bewältigungsgewohnheiten anhand der folgenden Fragen zu erkunden.
So gehst du vor:
Schreib deine Reflexionen auf oder sprich sie als Sprachnachricht in dein Handy oder Notizbuch. Schaffe dir kleine Freiräume, um dich mit diesen Fragen zu beschäftigen. Es geht nicht um schnelle Antworten – es geht ums Bemerken.
7 Reflexionsfragen zu deinen Bewältigungsmustern
Frag dich bei jeder: Wie oft und unter welchen Umständen (oder wann) …
1 · … lenke ich mich ab, indem ich zum Handy greife, den Fernseher einschalte oder mich endlos mit Aufgaben beschäftige?
2 · … konsumiere ich Nahrung oder andere Substanzen?
3 · … schalte ich vollständig ab, ohne zu wissen, worauf meine Aufmerksamkeit überhaupt gerichtet ist?
4 · … lenke ich mich ab, indem ich über die Vergangenheit nachdenke oder mir Sorgen über die Zukunft mache?
5 · … stelle ich mir Dinge anders vor, als sie tatsächlich sind?
6 · … mache ich mir Sorgen über die Bedürfnisse oder Erfahrungen anderer Menschen?
7 · … konzentriere ich mich mehr auf das Ergebnis von Aktivitäten, statt den Prozess zu genießen?
So arbeitest du mit den Fragen
Nimm dir nicht alle Fragen auf einmal vor. Wähle eine, die dich anspricht, und beobachte dich damit ein paar Tage. Notiere, was dir auffällt – ohne es zu bewerten.
Mit der Zeit entsteht ein Bild: Wann greifst du zu welcher Strategie? Und was würde passieren, wenn du im Moment des Greifens kurz innehältst und stattdessen in deinen Körper spürst?
Die Grundlage: die vier Stressreaktionen
Diese Folge baut auf den vier Stressreaktionen auf. Wenn du sie noch nicht kennst, hör und lies sie zuerst – dann holst du den vollen Wert aus den Reflexionsfragen:
- Die Stressreaktion „Kampf“ spüren lernen – #219
- Die Stressreaktion „Flucht“ spüren lernen – #221
- Die Stressreaktion „Abkopplung“ spüren lernen – #223
- Die Stressreaktion „People Pleasing“ spüren lernen – #225
Den Überblick über alle vier gibt es hier: Die 4 Stressreaktionen unseres Nervensystems.
Welcher Neurotransmitter-Typ steckt dahinter?
Welche Kompensationsmuster du wählst, hängt auch mit deiner Neurochemie zusammen. Wer zu Ablenkung und Kicks neigt, hat oft ein Thema mit Dopamin; wer schwer zur Ruhe kommt, mit GABA.
Der kostenlose Braverman-Test zeigt dir anonym, welche Neurotransmitter bei dir im Mangel sein könnten – ein konkreter Ausgangspunkt statt Vermutung.
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Zurück in den Körper: die Grundlagenarbeit
Die Reflexionsfragen zeigen dir deine Muster. Aber deine Ablenkungsstrategien loszulassen, ohne etwas an ihre Stelle zu setzen, funktioniert nicht – dein Nervensystem braucht einen echten Weg zurück in die Sicherheit, die es bisher in der Ablenkung gesucht hat.
Genau das ist die Arbeit in FOUNDATION – meinem 8-wöchigen Live-Online-Container. Wir bauen das Fundament, das deine Kompensationsmuster überflüssig macht: zurück ins Körpergefühl, zurück zu deinem inneren Kompass, zurück in echte Regulation.
Nicht über Druck, sondern über Grundlagenarbeit – Schritt für Schritt, in Sicherheit, über acht Wochen.
Häufige Fragen
Handlungen, mit denen wir versuchen, ein gestresstes, dysreguliertes Nervensystem zurück in die Ruhe zu bringen – zum Beispiel Scrollen, Essen, Beschäftigung, Grübeln. Sie sind ein Regulationsversuch, kein Charakterfehler.
Nicht grundsätzlich. Sie waren oft deine besten verfügbaren Versuche, dich sicher zu fühlen. Problematisch werden sie, wenn sie dich dauerhaft von deinem Körpergefühl und deinen echten Bedürfnissen trennen.
Durch Selbstbeobachtung. Nutze die 7 Reflexionsfragen und beobachte dich über einige Tage: Wann greifst du zu welcher Strategie – und was steckt an Gefühl darunter?
Der nächste Schritt ist nicht, sie zu verbieten, sondern eine Alternative aufzubauen: den Weg zurück in den Körper. Genau das ist die Arbeit in FOUNDATION.
Es hilft sehr. Diese Folge baut auf den vier Stressreaktionen (Kampf, Flucht, Abkopplung, People Pleasing) auf – oben sind sie alle verlinkt.

